Der Würzburger Ziegellehrgang

Seit 8000 Jahren stellt der Mensch den gebrannten Ziegel her, in Deutschland sind es fast 2000 Jahre, seit die Römer um 40 n. Chr. die ersten Truppenziegeleien in Rheinzabern errichteten. Und mit der Erfindung des Ringofens sowie der Schneckenpresse in der Mitte des 19. Jahrhunderts begann die industrielle Fertigung des Ziegels. Gerade in letzten Jahrzehnten hat die Ziegeleitechnik einen enormen Entwicklungssprung gemacht. Das Ziegelwerk entwickelte sich vom vollmechanisierten zum vollautomatisierten, computerisierten und roboterisierten Betrieb und der gute alte Backstein wandelte sich zum „Zehnkämpfer“ und High-Tech-Ziegel, mit hervorragenden bauphysikalischen Eigenschaften. Bauen mit innovativen Ziegeln bedeutet heute nicht nur energiebewusstes und ökologisch orientiertes sondern auch nachhaltiges Schaffen von Werten.

Bauen ist ein grundlegendes Merkmal von Kultur und Zivilisation. Alle Bereiche des menschlichen Lebens werden von Gebautem berührt und beeinflusst. Bauwerke erhalten ihren Zweck und Sinn durch die menschliche Nutzung: Wohnungen, Schulen, Kirchen, Krankenhäuser, Fabriken, Frei­zeitanlagen usw. Für Neubauten, Umbauten oder z. B. Sanierungen stellen sich Ziegelprodukte als ideale Baustoffe dar. Neben Kenntnissen zur schadensfreien Ausführung sind Baustoffe höchster Qualität erforder­lich, angepasst und ausgewählt für den jeweiligen Anwendungszweck. Um der wirtschaftlichen Stellung der Ziegelindustrie Folge zu leisten, müssen Mitarbeiter von Werken, die Ziegelprodukte herstellen, spezialisiert und auf hohem Niveau ausgebildet sein.

Die Hauptaufgabe des Würzburger Ziegellehrgangs war und ist es, dazu beizutragen, neue Erkenntnisse der sich stetig verbessernde Herstellungstechnologie des Naturproduktes Ziegel weiterzuvermitteln und die Verantwortlichen bei der Entwicklung des Ziegels sowohl in der Produktion als auch in der Forschung zu schulen.

Themenschwerpunkte der einzelnen Lehrgänge waren und sind:

  • Umgang mit Rohstoff- und Energieressourcen,
  • Rohstoffaufbereitung und -verarbeitung,
  • sukzessive Produktverbesserung,
  • Energieeinsparung bei der Produktherstellung,
  • Produktionskontrolle,
  • Qualitätssicherung,
  • Aktuelle Informationen zu gültigen Vorschriften des Wärme-, Brand und Schallschutzes, Arbeitssicherheit sowie Umweltschutz.

Der erste Lehrgang fand im Dezember 1962 nach langer Vorbereitung in Zusammenarbeit mit dem Bayer. Tonindustrieverband und mit Unterstützung der einschlägigen Verbände von Baden-Württemberg, Hessen, Pfalz und Südrhein-Rheinhessen in Würzburg statt. Nachdem sich der Lehrgang einige Jahre später etabliert hatte, wurde im Jahr 1970 in einer Sitzung in Würzburg, bei der der Bundesverband der Ziegelindustrie und der Ziegelverband von Bayern sowie Vertreter von einschlägigen Instituten und Lehrstätten vertreten waren, beschlossen, diesen Lehrgang alljährlich in Würzburg unter der Bezeichnung "Würzburger Ziegellehrgang" mit dem Untertitel "Praxis der Produktionstechnik" durchzuführen. Zwischenzeitlich hat sich die jährlich stattfindende Veranstaltung zu der fest instituierten internationalen Fachtagung in der Ziegelindustrie entwickelt. Bis zum Jahr 2011 – Jubiläumsveranstaltung „50. Würzburger Ziegellehrgang“ - haben in etwa 760 Fachvorträgen insgesamt ca. 6000 Teilnehmer an den bisherigen Lehrgängen teilgenommen, wobei die Zahl der Zuhörer, die sich aus den Teilnehmern, den Referenten und den Verantwortlichen zusammensetzt, derzeit bei ca. 130 - 150 liegt. Die Teilnehmer kommen aus ganz Deutschland sowie dem benachbarten Europäischen Ausland. Die Vermittlung der Neuerungen an die Fach­öffentlichkeit, auch über die Grenzen Deutschlands hinaus, betrachtet die Veranstaltung des "Würz­burger Ziegellehrgangs" als Ihre ursprüngliche Aufgabe.

Die Vorträge werden von namhaften Fachleuten aus den Verbänden, der Forschung, Technik oder dem Anlagenbau gehalten.

Daneben stellt der Erfahrungsaustausch unter den Teilnehmern den zweiten wichtigen Schwerpunkt des Lehrgangs dar. Dieser Erfahrungsaustausch findet statt in Fachgesprächen in den Pausen zwischen den einzelnen Fachvorträgen, im Rahmen der Abendveranstaltung am ersten Lehrgangstag sowie bei der traditionsgemäßen Exkursion und dem gemeinsamen Abendessen am letzten Tag. Bei diesen Exkursionen werden in aller Regel Werke im näheren Umkreis von Würzburg besichtigt, die Ziegelprodukte oder artverwandte Produkte herstellen.

Der Rückblick auf die bisherigen erfolgreichen Lehrgänge ist Anlass, an alle Mitwirkenden und Referenten Dank zu sagen, sowie Ansporn und verpflichtende Aufgabe für die Zukunft, durch Fachinformationen aus Forschungsergebnissen, neuen Vorschriften oder neuen technischen Ent­wicklungen mit den folgenden „Würzburger Ziegellehrgängen“ unseren Beitrag als Wissensmultiplikator zu leisten.

Unterschrift
Leiter des Würzburger Ziegellehrgangs